Von Victor Lewis
Zu beiden Seiten flammender
Sonnenuntergänge - und sie können am Weihnachtsabend ebenso
eindrucksvoll sein wie am Johannistag - breiten Malta und ihr kleiner
Bruder Gozo ihre Reize aus. Jede Saison hat ihre besonderen Attraktionen.
Die Welt kennt die sonnenüberströmten Tage Maltas und seine
lauen parfümierten Sommernächte; das tiefblaue Meer, das die
Inseln wie verspielt umspült. Doch Malta bietet nicht nur einen
Streifen oder zwei goldenen Sandes, wie die meisten Ferienbadeorte, die
vollbeseztsind mit ihren Bataillonen von mit Kissen versehen Tagebetten,
die sich in drei langen Reihen ausbreiten ind sich alle nach rechts
ausrichten, wie Truppen vor einem Monarchen, der die parade abnimmt;
wenn man nin eines dieser Betten bezahlt hat, so kann es vorkommen, dass
man sich gerade in der dritten Reihe befindet, rechts und links
festgepackt, sodass man schon den Kopf recken muss, wenn es einemgelingen
soll, einen Blick auf das Meer zu werfen, das sich vor der ersten Reihe
ausbreitet.
In Malta braucht man nicht dafür zu bezahlen, um sich am Strand in
den Sand zu legen. Und man wird nicht endlos von Kolporteuren behelligt,
die einem alles mögliche verkaufen wollen, angefangen mit
Sonnenbrillen bis zum Karton von leichtzerquetschten Pfirsichen; und
diese agressiven Leute kommen gerade immer dann an, wenn man gerade dabei
ist, so engenehm vor sich hinzudösen. Nein... In Malta herrscht
Strandfreiheit. Alles gehört Ihnen. Legen Sie sich hin, wo Sie
wollen. Und wenn man mit Kindern kommt, so kann man sich einen angenehmen
Flecken direkt am Wasser aussuchen, wo Ihr Junge oder Ihre Tochter
Sandburgen bauen können, nach Herzenslust, ohne befürchten zu
müssen, dass die Flut im nächsten Moment ihre stolzen Burgen
hinwegspült. Auch Sie selbst brauchen nicht das Gefühl zu haben,
dass Sie nur ja nicht einschlafen oder einen Fuss in das Strandcafe'
setzen dürfen, um dort ein kühles Getränk zu
schlürfen, ohne befürchten zu müssen, dass Ihre reizenden
Kinder von der steigenden Flut hinweggeschwemmt werden. Denn es gibt
keine Flut in diesem mitteländischen Zufluchtsort.
Für jeden gibt es einen Strand, der ihm zusagt; möge man sein
Vergnügen darin finden, langsam ins Wasser zu waten, mit dem
Gefühl des warmen Sandes unter den Füssen, oder es vorziehen,
sich direkt von den Felsen in das tiefe Wasser zu stürzen. Andere
wieder können einen Strand suchen - und finden - wo sie,
fachmännisch ausgerüstet, sich der Unterwasserjagd hingeben und
unter der Wasseroberfläche die phantastischen Farben und das Leben
im Mittelmeer beobachten können, das Bewohner aufweist, die man
sonst nirgendwo zu sehen bekommt.
Malta erscheint den Feriengästen viel grösser als nur
quadratkilometrisch gesehene. Jachten, Segelschiffe, bunte 'Dghajsas' und
'Luzzus'. Motorboote und Ruderboote in Hülle und Fülle
müssen den Quadratmetern Land noch hinzugefügt werden. Doch der
Strand ist nicht alles in Malta. Auf dieser Insel, die eine ganze Lebensart
darstellt, macht ein milder Winter einem frühen Frühling Platz,
der dann schnell wieder die goldenen Sommertage zurückbringt, die
dann die schönen Herbsttage zu verlängern scheinen. Und der
Frühling bekennt gleich Farbe. März bringt sieben Stunden Sonne
mit sich und eine durchschnittliche Temperatur von 20° C. Im April
kann man schon auf achteinhalb Stunden wolkenlosen Sonnenschein rechnen
und auf eine durchschnittliche Temperatur von 23!&^;. Im Mai haben wir
zehn Stunden Sonnenschein und 25° C. Und dann erst kommt der
Sommer!
Bei Sonnen- oder Mondschein gibt es allerhand zu tun. Wenn man will, kann
man sogar einfach zusehen bei dem, was die andern tun. Im Frühling
ist allerhand los. Das ist die Zeit des Karnevals. Vier Tage lang ist
alles in Malta ausser Rand und band. Den der maltesische Karneval ist so
ein Amalgam aus deutschem Oktoberfest, französischem 'mardi gras',
Jerseys Blumenschlachten, Hongkongs 'Doppelter Zehn'. Den Höhepunkt
erreicht dieses Treiben in der altehrwürdigen Stadt Valletta, in
deren Strassen Gelächter, Musik und die Geräuschen einer
meilenlangen Karnevalprozession ertönen; und dann wird auf den
Plätzen der Stadt detanzt. wer malta sur Karnevalszeit besucht und
keine Lust verspürt, sich in das lustige Treiben zu stürzen, an
dem ist Hopfen und Malz verloren. Auch zur Osterzeit ziehen Prozessionen
durch die Strassen vieler Städte und Dörfer, denn so
manifestiert sich der spirituelle Charakter eines tiefreligiösen
Volkes. Ostersonntag setzt dann dem Ganzen die Krone auf.
Im Sommer zieht das grosse blaue Meer die Menschen an. Der 'Royal Malta
Yacht Club' veranstaltet dann Segelwettbewerbe und Regatten von einem
Ende der Insel zum andern und, als Höhepunkt, der berühmte
600-Meilen Segelwettbewerb, der die Jachtbesiter zahlreicher Länder
anzieht; es ist das ein Schauspiel, das den eingefleischsten Landbewohner
zum Seewolf machne kann.
Einige Kabellängen weiter im Innern befindet sich ein
bemerkenswerter Sportkomplex mit einer wundervollen Aschenbahn. Hier kann
der Besucher vorübergehend Mitglied werden und Tennis, Cricket
oder 'Squash' spielen. Er kann das Schwimmbad benutzen, beim
Bogenschiessen oder Polo zeschauen, Billard spielen, zu Mittag oder zu
Abend essen oder auch einem typisch maltesischen 'Barbecue' im Mondschein
beiwohnen. Gleich nebenan liegt der 'Royal Malta Yacht Club', wo der
Golfplatz mit seinen 18 Löchern und seiner Strecke, die man auch
waährend des temperierten sogenannten maltesischen Winters schnell
durcheilt, bei dem bescheidensten Golfspieler das Gefühl erweckt,
dass er schliesslich besserspiele als er dachte. Man braucht nicht einmal
seine Golfschläger nach Malta mitzuschleppen -und dafür noch
unnötige Transportkosten zahlen - da man in Malta Golfschläger
mieten und so seinem Lieblingssport frönen kann, ohne sein
Portemonnaie zu sehr zu strapazieren.
Und wenn die heissesten Sommermonate endlich vorüber sind, dann
finden noch jeden Sonntag Pferderennen statt. Auch diese bieten gerade in
Malta etwas ganz besonderes: Trabrennen, in denen die trabenden Ponys,
die sausenden Räder der Einspänner und die seidenen Blusen der
Fahrer sich am Ziel in dramatischer Steigerung zu einer Symphonie
vereinen, die das Schauspiel von Ben Hur in Erinnerung bringt. Es gibt
aber auch Flachrennen mit rassigen Araberpferden. Die Rennen in Malta
haben nichts mit Askot oder Longchamp zu tun. Hier stehen die Pferde im
Mittelpunkt des Geschehens... und auch die Wetten. Und sollte man bei den
Wetten Pech gehabt haben, dann kann man das im Dragonara-Kasino, am
Meeresufer, wieder wettmachen und beim Spiel - auch mit bescheidenen
Eisätzen - das Geld wieder zurückgewinnen, das einem mit den
Pferden davongetrabt ist.
Doch wird im Freien nicht nur Sport getrieben. Es werden auch
Führungen veranstaltet durch die dramatische Geschichte dieser
altehrwürdigen Inseln, an deren Küste St. Paulus Schiffbruch
erlitt. Eindrucksvolle Dampferfahrten rund um den Grossen Hafen von
Valletta, ducrh Jahrhunderte hindurch ein Schlachtfeld; in einer
Viertelstunde erreicht man mit der Fähre den kleinen nördlich
gelegenen Hafen von Marfa, auf der schönen Insel Gozo, die
eigentlich die 'Insel der Kalypso' ist und die so schön und
romantisch ist wie es die Nymphe selbst war.
Den ganzen Sommer hindurch finden auf der ganzen Insel unzählige
festi statt; es sind das fröhliche Feste, die meist
religiösen Ursprungs sind, mit Prozessionen und Feuerwerk. Sich bei
dieser Gelegenheit den Einwohnern zuzugesellen, ihren Prozessionen
zuzuschauen, die fröhlich ausstaffierten Kirchen zu besuchen, von
denen jede ihre eigenen Schätze ausstellt, den schönsten
Raketen beim Feuerwerk Beifall zu klatschen und von der Menge ringsumher
begrüsst zu werden... das heisst Malta und die Malteser kennenlernen.
Für Ernstgesinnte gibt es wundervolle Tage, an denen man der
Rorschung obliegen kann; sei es im Hochsommer, im schillernden
Frühling oder auch im stillen warmen Herbst. Diese Tage sind wie zur
Promenade gemacht; zur Suche den Freuden, die man auf dem Lande findet;
zum Vagabundieren in der wilden faszinierenden Landschaft; zur Wanderung
auf den gewundenen Wegen; zum Herumstrolchen durch die freundlichen
Dörfer; zur Entdeckung historischer Stätten, der
architekttonischen Kleinodien, der archäologischen Schönheiten.
Malta bietet denen, die es sehen wollen, einen magischen Teppich dar. Vor
Stränden und Städten rollt sich dieser Teppich vor dem Besucher
ab. Auf einer Insel, wo ein so grosser teil der Oberfläche ihres
Innern aus vulkanischem, jeder Erde baren Gesteins besteht, wachsen und
gedeihen nicht weniger als 600 Arten Pflanzen. War auf den Wegen, den vor
langer Zeit erschlossenen Pfaden, durch die Felder wandert, muss sich
davor hüten, die wild blühenden Pflanzen zu zertreten.
In den Tälern gibt es Stellen von frappierender Schönheit, auf
den Felsen und den steilen Klippen ür dem Meer. Und die historischen
Stätten dramatischen Geschehens, die bis auf 3.800 Jahre v. Chr.
zurückgehen. An den Wegen gelegene Kirchen und Kapellen enthalten
manche Schätze und Legenden; kleine architektonische Kleinodien und
archäologische, den Geist anregende Besonderheiten; Ausgrabungen,
römische Villen, antike Tempel, Museen, Katakomben, Paläste und
Grotten; reizvolle Dörfer voller Charakter; Bauern auf den feldern,
die noch Geräte gebrauchen, die sich seit biblischen Zeiten kaum
geändert haben.
Alles in allem geht es auf diesem mitteländischen Spielplatz im
Frühling und im Sommer am sorglosesten zu, denn alle Festlichkeiten
finden im Freien statt, angefeuert von der Grosszügigkeit der Natur.
Doch auch das Nachtleben kommt dabei nicht zu kurz. Hotels, Nachtklubs
und Abendrestaurants empfangen den Kunden mit offenen Armen. es treten
dort hervorragende Künstler auf (viele von ihnen sind Malteser). Man
kann dort maltesische 'folk-songs' hören und traditionelle
maltesische Volkstänze sehen. Zu maltesischer, chinesischer,
englischer oder italienischer Küche kann man die Weine des landes
trinken.
Doch wenn man, nach einem gut verbrachten Tag, in Ruhe essen und dann zu
Bett gehen will, kann man das auch. Denn Malta denkt auch an die im
Herzen Junggebliebenen.